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Erwartungen

2. Sept.
3 Min. Lesezeit

Erwartungen sind ein unvermeidlicher Teil unseres Alltags und unseres Lebens. Jeden Tag erwarten wir etwas vom Leben, von der Arbeit, von unseren Kindern, unserer Familie, anderen Menschen, aber auch von uns selbst.

Sicherlich haben wir uns alle schon einmal in einer Situation befunden, in der wir das Gefühl hatten, dass alles, was wir tun, falsch ist und wir es anderen einfach nicht recht machen können. Wir sind enttäuscht, wenn sich unsere Erwartungen nicht erfüllen, oder geraten in Konflikte mit anderen, wenn wir ihre Erwartungen nicht erfüllen. Nicht selten kommt es vor, dass unser Verhalten, unsere Entscheidungen oder sogar unsere Lebensweise nicht den Erwartungen von Menschen entsprechen, die uns nahestehen. Dadurch können sie sich verletzt oder sogar beleidigt fühlen.

Erwartungen sind das Ergebnis unserer Denkweise, unserer Überzeugungen und unserer Erfahrungen. Für uns selbst erscheinen unsere Erwartungen oft als die einzige Wahrheit und Realität. Wir erwarten etwas, weil wir davon überzeugt sind, dass es genauso sein sollte und dass dies der einzig richtige oder normale Weg ist. Deshalb fällt es uns manchmal schwer, andere Menschen zu verstehen. Gleichzeitig stoßen wir auch auf Unverständnis, wenn es um unsere eigenen Entscheidungen und Handlungen geht.

Oft haben wir das Gefühl, dass wir machen können, was wir wollen – es ist trotzdem falsch. Tagtäglich investieren wir viel Energie, um die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen. Das führt häufig schon im Laufe des Tages zu Erschöpfung. Am Ende des Tages fühlen wir uns ausgelaugt und nicht selten auch unzufrieden mit dem Leben, das wir führen.

In vielen Fällen trauen wir uns nicht, etwas zu verändern oder einfach einmal „Nein“ zu sagen, weil wir andere nicht enttäuschen möchten und ihre Erwartungen erfüllen wollen. Doch wie oft fragen wir uns eigentlich, was wir selbst von uns erwarten? Welche Erwartungen haben wir an uns selbst? Wie viel Zeit investieren wir in die Erfüllung unserer eigenen Wünsche und Ziele? Was passiert, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden? Und für wen ist das letztendlich gut oder schlecht?

Wenn es zu unserer Priorität wird, ständig die Erwartungen anderer zu erfüllen, damit sie nicht verärgert sind oder damit wir in ihren Augen gut genug sind, vernachlässigen wir häufig uns selbst. Wir leben dann ein Leben, das wir eigentlich gar nicht wollen oder das uns nicht glücklich macht. Ständig die Erwartungen anderer zu erfüllen bedeutet oft, nach den Überzeugungen und Werten anderer Menschen zu leben, anstatt nach den eigenen.

Dabei vergessen wir leicht, was für uns selbst wichtig und wertvoll ist. Vielleicht haben sich einige von euch schon einmal in einer Situation befunden, in der sie etwas tun wollten, es aber nicht getan haben, weil sie Angst hatten, was andere darüber denken oder sagen würden. Sie fragten sich, ob sie damit die Erwartungen anderer erfüllen würden oder nicht. Sie hatten Angst, sich zu blamieren, sich zu schämen oder von anderen in eine bestimmte Schublade gesteckt zu werden.

Doch fragen wir uns auch einmal: Was denken wir eigentlich über uns selbst? Was ist uns wirklich wichtig? Wessen Meinung hat mehr Gewicht – unsere eigene oder die der anderen? Ist es wichtiger, gut zu sich selbst zu sein oder ständig zu versuchen, für andere gut genug zu sein?

Vielleicht lautet die eigentliche Frage:

Wie bereit sind wir, unser Leben nach unseren eigenen Vorstellungen zu leben und nicht nach den Erwartungen anderer?

Denn erst wenn wir ein Gleichgewicht zwischen unseren eigenen Bedürfnissen und den Erwartungen unseres Umfelds finden, können wir authentischer, freier und zufriedener leben.



 
 
 

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